Diagnostik bei allen Hörstörungen, akut und chronisch bei Kindern und Erwachsenen

dr_ortner-066_web

Eine Hörstörung kann völlig harmlose Ursachen haben, wie z.B. einen Ohrenschmalzpfropf, die Ursache kann im Mittelohr liegen, wie z.B. bei einem Paukenerguss, es kann sich aber auch um einen plötzlichen Funktionsausfall des Innenohrs handeln, dann sprechen wir von einem Hörsturz; oder sie kann sich mit zunehmendem Lebensalter entwickeln.

Alle Arten von Hörstörungen werden bei uns mittels sorgfältiger Untersuchung des Ohres (Trommelfellmikroskopie), Audiometrie (Gehörtest), weiterer Zusatzuntersuchungen (Tympanometrie, otoakustische Emissionen) exakt abgeklärt und behandelt.

Im Fall eines akuten Hörsturzes oder bei einem Paukenerguss (dabei sammelt sich Flüssigkeit im Mittelohr) sind medikamentöse Therapien, eventuell kombiniert mit Akupunktur, möglich und sinnvoll. Liegt jedoch ein irreversibler Innenohrschaden vor, der über ein definiertes Maß hinausgeht, hilft oft nur eine Hörgeräteversorgung oder in extremen Fällen eine operative Versorgung mit einem Cochlea-Implantat.

Unsere langjährige Erfahrung, kombiniert mit modernsten Gerätschaften und Diagnoseverfahren, bietet alle Möglichkeiten, Ursachen einer Hörstörung abzuklären und bestmöglich zu behandeln.

Hörstörungen bei Kindern

Das Gehör von Neugeborenen wird seit 1997 in vielen Krankenhäusern Österreichs, in Niederösterreich sogar flächendeckend, am zweiten oder dritten Tag nach der Geburt überprüft. Gemessen werden die so genannten „otoakustischen Emissionen“. Dabei macht man sich den Umstand zunutze, dass das gesunde Innenohr in der Lage ist, ankommende leise Töne aktiv zu verstärken, bevor sie über den Hörnerv ins Gehirn geschickt werden. Hierbei entsteht allerdings auch ein „Echo“, dieses lässt sich mit einer kleinen Sonde, die völlig schmerzlos im Gehörgang platziert wird, auffangen, verstärken und im Computer auswerten. Durch den Nachweis dieser otoakustischen Emissionen wird die normale Funktion des Innenohres nachgewiesen und damit eine angeborene Hörstörung ausgeschlossen.

Die Messung der „otoakustischen Emissionen” (OAE) ist eine völlig schmerzfreie Untersuchung und gibt auch bei Babys und Kleinkindern nach wenigen Minuten Aufschluss, ob ein normales Gehör vorliegt.

Durch die Messung der OAE können wir das Gehör auch bei Kleinkindern, die noch keinen normalen Tonhörtest machen können, abklären. Die Untersuchung ist für das Kind nicht belastend, dauert ca. 10 Minuten und kostet 30 Euro.

Aber auch die nach der Geburt durchgeführte Messung der OAE mit positivem Resultat ist keine Garantie, dass Ihr Kind auch später immer gut hört. Sollte es später Anlass zur Sorge geben, z.B. weil das Kind nicht auf leisen Zuruf reagiert, so ist eine HNO-ärztliche Untersuchung erforderlich.

Dabei werden nicht nur Gehörgänge und Trommelfell mit dem Ohrmikroskop, sondern insbesondere auch die Nase und der Nasenrachen genauestens untersucht. Die häufigste Ursache für Hörstörungen bei Kleinkindern ist nämlich die ab dem zweiten Lebensjahr beginnende Vergrößerung der Rachendachmandel (im Volksmund „Polypen“ genannt).

Aufnahme eines gesunden Trommelfells

Normaler Trommelfellbefund: zart und transparent

Aufnahme eines Trommelfells mit Paukenerguss

Paukenerguss: das Trommelfell ist matt und eingezogen

Auch lange bestehende Mittelohrprobleme können sich auf die Entwicklung des Kindes in sprachlicher und intellektueller Sicht negativ auswirken. Die häufigste Ursache einer Hörminderung im Kindesalter ist die Ausbildung eines schleimigen Ergusses im Mittelohr. Das Trommelfell kann nicht mehr frei schwingen, da die Flüssigkeit im Mittelohr stark dämpfend wirkt. Ein derartiger Erguss ist vielfach die Basis für eine Mittelohrentzündung. Akut tritt der Mittelohrerguss bei Infekten auf (Schnupfen, Erkältung). Wenn ein Paukenerguss chronisch und andauernd besteht, so ist fast immer eine Vergrößerung der Rachenmandel („Polypen“) dafür verantwortlich.

WICHTIG: Bei bestehendem Mittelohrerguss und einem akuten Infekt darf der/die Betroffene sich nicht stark schnäuzen, da beim festen Anblasen die Ohrtrompete gesprengt und Keime (Bakterien und Viren) ins Mittelohr verschleppt werden, was eine Mittelohrentzündung zur Folge hat. Harmlos und ungefährlich für Patient und Umwelt ist dagegen das „Aufziehen“ von Nasensekret. Das Sekret mit seinen Keimen gelangt so nämlich nach dem Schlucken in den Magen, wo die Keime durch die Magensäure rasch unschädlich gemacht werden.

Auch seltene Erkrankungen von Innenohr und Hörbahn („auditorische Neuropathie“) können zu Schwerhörigkeit führen. Diese sind selten, müssen aber unbedingt frühzeitig erkannt werden, um mittels Versorgung mit Hörgeräten oder eines Cochlea-Implantats die normale Ausreifung der Hörbahn im Gehirn und eine normale Entwicklung des Kindes zu gewährleisten.

Wenn es auf einmal still ist

Eine plötzliche Verminderung des Gehörs sollte noch am selben Tag abgeklärt werden, da ein Hörsturz eine umgehende Therapieeinleitung erfordert. Behandelt wird mit Cortison, manchmal auch mit Infusionen, in einigen Fällen ist auch eine Spitalsaufnahme erforderlich. Die Chancen auf die Rückbildung eines Hörsturzes sind insgesamt gut und werden durch eine rechtzeitige Therapie nochmals verbessert.

Wenn es langsam leiser wird

In vielen Fällen ist mit zunehmendem Alter eine schleichende Verschlechterung des Gehörs zu beobachten. Davon sind zunächst meist die höheren Frequenzen betroffen. Die Patienten selbst bemerken die eingeschränkte Wahrnehmung kaum, denn sie hören noch fast alles und können insbesondere die berühmte Stecknadel fallen hören. Die Patienten bemerken aber sehr wohl, dass eine Unterhaltung in der Gruppe oder mit Hintergrundgeräuschen schwieriger wird, weil das Gehörte seine Deutlichkeit und Transparenz verliert.

In diesen und auch in allen weiter fortgeschrittenen Fällen ist die rechtzeitige Versorgung mit Hörgeräten erforderlich, um die Kommunikationsfähigkeit der Patienten bis ins hohe Alter zu erhalten. Viele Patienten suchen erst im vorgerückten Alter von 75 und mehr den Facharzt auf, wenn die Schwerhörigkeit schon 10 Jahre und länger besteht. Dann ist die Hörgeräteversorgung oftmals schwierig oder auch schon unmöglich, weil das Sprachzentrum der Patienten die neuen Informationen durch das Hörgerät im Gehirn gar nicht mehr richtig verarbeiten kann. Sie klagen dann über Zunahme des „Störlärms“.

Wir beraten unsere Patienten konsequent und ausführlich über den richtigen Zeitpunkt einer Hörgeräteversorgung und vermeiden sowohl eine zu frühe „Luxusversorgung“ als auch eine zu späte Versorgung.

Mehr zu Schwerhörigkeit finden Sie hier.